Wie wählt man ein Hörgerät aus?

How to Choose A Hearing Aid?

Die Nachrichten im Radio klingen auf Parkbänken am frühen Morgen undeutlich; die Gespräche der Kollegen im Büro wirken wie in einen dünnen Nebel gehüllt; die Werbesprüche im Supermarktregal verschwimmen zu unverständlichen Silben – wenn diese alltäglichen Geräusche zu „verschwinden“ beginnen, wird die Wahl des passenden Hörgeräts zu einem dringenden Problem. Angesichts der vielen verschiedenen Modelle und Funktionen auf dem Markt: Wie findet man das richtige für die eigenen Bedürfnisse? Dieser Ratgeber hilft Ihnen bei der Auswahl.

1. Lassen Sie sich professionell diagnostizieren
Verstehen Sie Ihren Hörverlust: Ein professioneller Hörgeräteakustiker beurteilt Art und Grad Ihres Hörverlusts (leicht, mittelgradig, schwer oder hochgradig). Dies ist entscheidend, um das passende Hörgerätemodell und die optimale Verstärkung für Sie zu bestimmen und Ihnen so ein klareres und natürlicheres Hörerlebnis zu ermöglichen.

Andere Ursachen ausschließen: Eine persönliche HNO-ärztliche Untersuchung ist unerlässlich. Sie hilft, andere, möglicherweise behandelbare Ohrprobleme auszuschließen und gewährleistet so, dass Ihre Hörlösung sicher, präzise und effektiv ist.

2. Hörgeräte-Modelle entdecken


Hinter-dem-Ohr (HdO): Die Hauptkomponenten befinden sich hinter dem Ohr und sind über einen Schlauch mit einer Otoplastik oder einem Ohrstöpsel verbunden. Geeignet für alle Grade von Hörverlust (von leicht bis schwer). Sehr robust, einfach zu bedienen, können größere Batterien aufnehmen und bieten mehr Funktionen. Allerdings sind sie sichtbarer.

Receiver-in-Canal (RIC) / Receiver-in-the-Ear (RITE): Ähnlich wie Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte (HdO), jedoch befindet sich der Lautsprecher/Empfänger im Gehörgang und ist über ein dünnes Kabel angeschlossen. Geeignet für leichte bis schwere Hörverluste. Sehr beliebt, diskret und komfortabel, oft mit erweiterten Funktionen und Akkuoptionen ausgestattet.

Im-Ohr-Hörgerät (IdO): Individuell an die Form der Ohrmuschel angepasst. Geeignet für leichte bis schwere Hörverluste. Einfache Bedienung (auch für Menschen mit eingeschränkter Feinmotorik geeignet) und bietet Platz für größere Bedienknöpfe und langlebigere Batterien. Besser sichtbar als andere, kleinere Modelle.

Im-Ohr-Hörgeräte (ITC) und Komplett-im-Ohr-Hörgeräte (CIC): Individuell an die Form des Gehörgangs angepasst, teilweise (ITC) oder fast vollständig (CIC) im Gehörgang platziert. Geeignet bei leichter bis mittelschwerer Schwerhörigkeit. Die diskreteste/unsichtbarste Option. Die geringe Größe schränkt die Batterielaufzeit und zusätzliche Funktionen (wie Richtmikrofone) ein. Die Bedienung kann schwierig sein.

3. Die richtigen Funktionen passend zu Ihrem Lebensstil auswählen
Für laute Umgebungen (Restaurants, Partys, gesellschaftliche Zusammenkünfte): Richtmikrofone (die sich auf Geräusche von vorne konzentrieren) + fortschrittliche Geräuschunterdrückungstechnologie, um Gespräche in lauter Umgebung besser zu verstehen.

Aktiver Lifestyle/Outdoor: Wasserdichtes oder schweißresistentes Design + Windgeräuschunterdrückungsfunktion für eine stabile und klare Klangwiedergabe bei Outdoor-Aktivitäten.

Technikbegeisterte/Häufige Multimedia-Nutzer: Die Bluetooth-Konnektivität ermöglicht das direkte Streamen von Telefonanrufen, Musik und TV-Ton auf die Hörgeräte für ein intelligenteres und komfortableres Erlebnis.

Tinnitus-Patienten (Ohrensausen): Tinnitus-Maskierungsfunktion, die die durch den Tinnitus verursachten Beschwerden durch das Abspielen beruhigender Klänge lindert.

Bei eingeschränkter Handgeschicklichkeit (z. B. Arthritis): Größere Modelle (Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte, Im-Ohr-Hörgeräte) sind leichter zu handhaben; oder wiederaufladbare Modelle machen häufige Batteriewechsel überflüssig.

Häufige Besucher öffentlicher Orte (Theater, Kirchen usw.): Die Telefonspulenfunktion ermöglicht den Empfang von Signalen von öffentlichen Induktionsschleifenanlagen für eine klarere Audioqualität an diesen Orten.

4. Die Wahl zwischen verschreibungspflichtigen und rezeptfreien Hörgeräten
Verschreibungspflichtige Hörgeräte: Diese müssen über einen zugelassenen Hörgeräteakustiker erworben werden. Sie werden professionell individuell angepasst und auf Grundlage Ihres Audiogramms programmiert. Sie eignen sich für komplexe oder mittelgradige bis schwere Hörverluste und bieten fortlaufende professionelle Anpassungen sowie eine umfassende Kundenbetreuung, um eine optimale Langzeitnutzung zu gewährleisten.

Freiverkäufliche Hörgeräte: Diese können ohne Rezept oder professionelle Anpassung direkt erworben werden und eignen sich für Menschen mit leichter bis mittelschwerer Hörminderung. Sie sind in der Regel günstiger, bieten aber weniger individuelle Anpassungsmöglichkeiten, sind bei schwerer Hörminderung nicht geeignet und beinhalten keine professionelle, persönliche Nachsorge.

5. Sonstige praktische Überlegungen
Geschicklichkeit: Wenn Sie Schwierigkeiten beim Umgang mit kleinen Gegenständen haben, sollten Sie größere Modelle (wie z. B. Hinter-dem-Ohr- oder Im-Ohr-Hörgeräte) oder wiederaufladbare Modelle in Betracht ziehen, da diese bequemer sind, weil sie den häufigen Austausch winziger Batterien überflüssig machen.

Budgetplanung: Der Preis für Hörgeräte variiert je nach Technologie und Funktionen. Besprechen Sie Kosten, Zahlungspläne und mögliche Kostenübernahme durch Ihre Krankenkasse mit Ihrem Hörgeräteakustiker, um die beste Lösung für Sie zu finden.

Probezeit: Erkundigen Sie sich nach Probezeiten (viele Marken bieten 45 Tage oder länger an), damit Sie die Hörgeräte in Ihrem Alltag umfassend testen und sich von ihrer Eignung überzeugen können, bevor Sie eine endgültige Entscheidung treffen.

6. Nachsorge- und Unterstützungsdienste in Betracht ziehen
Nachjustierungen: Hörgeräte erfordern nach der Erstanpassung in der Regel mehrere Feineinstellungen, z. B. der Lautstärke, der Klangprogramme und der Einstellungen zur Geräuschunterdrückung. Erkundigen Sie sich bei Ihrem Anbieter, ob dieser kostenlose Nachjustierungen über einen Zeitraum von 6–12 Monaten anbietet, um optimale Ergebnisse langfristig zu gewährleisten.

Wartung: Machen Sie sich mit den Reinigungswerkzeugen, den Methoden zum Batteriewechsel und den Reparaturverfahren vertraut. Es empfiehlt sich, nach folgenden Punkten zu fragen: Dauer von Reparaturen, ob die Kosten von der Garantie abgedeckt sind und wie viel gängiges Zubehör kostet, um für eine langfristige Nutzung gerüstet zu sein.

Abschließende Empfehlung:
Verzichten Sie nicht auf wichtige Funktionen zugunsten der Ästhetik. Größere, technologisch fortschrittlichere Hinter-dem-Ohr- (HdO) oder Im-Ohr-Hörgeräte (RIC) bieten oft eine deutlichere Verbesserung des Hörvermögens im Alltag als ultrakleine Im-Ohr-Hörgeräte (IIC), die möglicherweise nicht optimal auf Ihren Hörverlust oder Ihre individuellen Bedürfnisse abgestimmt sind. Testen Sie die Hörgeräte unbedingt in Ihrem gewohnten Umfeld, bevor Sie sich endgültig entscheiden, um sicherzustellen, dass sie wirklich zu Ihnen passen. Wir hoffen, dass Ihnen diese Informationen helfen, die perfekten Hörgeräte zu finden und wieder ein klares und natürliches Hörerlebnis zu genießen.

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